Historie

Egidius Braun

Vom Kind des Vereins zum Aushängeschild

Braun EdiNatürlich kann der SV froh sein, einen Egidius Braun in seinen Reihen zu haben. Über ihn in angemessenem Umfang zu schreiben würde ein eigenes Buch füllen. Andererseits macht es den Verein gleichwohl stolz, auf diese Verbindung hinweisen zu können und insbesondere die Verdienste, die sich Edi Braun um den SV Breinig erworben hat, zu würdigen.

Immer wenn es sich ergibt - und dafür sorgt er schon - streut der DFB-Ehrenpräsident einen Hinweis auf die Idylle seines Heimatklubs ein, wo er als Teenager den geraden Schuss und den klassischen Kopfball erlernte. Für den Erhalt dieser und möglichst vieler ähnlich heiler Breinig-Biotope in deutschen Landen, die Kinder noch in ihrem Sozialverhalten fürs Leben schulen, lohne es sich zu kämpfen, fügt er gerne an. Egidius Braun (der seltene Vorname stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie "Schildhalter") macht aus seiner Vorliebe für den so genannten "kleinen Fußball" keinen Hehl. Wer ihn deshalb einen Populisten nennt, tut ihm unrecht.
 
Den Fußball, referierte er zu seiner Zeit als DFB-Präsident gerne, vor allem die Nationalspieler, „kann ich eben nur in dieser Position für Sozialarbeiten missbrauchen". Kein Zweifel, mit Braun als Präsident an der Spitze hatte der DFB sein nationales und internationales Engagement im Sozialbereich ausgeweitet. Der Breiniger fühlte sich zwar in vielerlei Hinsicht den Vorgaben seines Wegbegleiters und Freundes Neuberger verpflichtet, trat auch durchaus wie sein Vorgänger als charismatischer Kosmopolit auf, doch verlor er nie seine Chancen aus den Augen, den Schwachen zu helfen, die sich hinter den Schlagzeilen des großen Geschäfts mit dem Ball ducken. Über spöttische Mutmaßungen, mit dieser Fürsorge sei er nicht mehr von dieser Welt und in der Ellenbogen-Gesellschaft eine Fehlbesetzung, ging er mit mildem Lächeln hinweg. "Pater Braun", wie er in Anlehnung an die berühmte Romanfigur genannt wurde und wird („Wenn damit beschrieben werden soll, dass mir menschliches Miteinander von großer Bedeutung ist, bin ich damit sehr einverstanden. Wenn damit gemeint ist, dass ich zu allem Ja und Amen sage, ist das völlig falsch."), wusste und weiss sich durchzusetzen. Wer je mit ihm am Verhandlungstisch saß, hat es erfahren.
 
Braun fühlte sich als Anwalt von fast sechseinhalb Millionen Mitgliedern, die im DFB den größten Einzelsportverband der Welt darstellen, „die bedeutendste Gesellschaftsbewegung überhaupt", und ihr Mandat verlieh ihm Durchschlagskraft und seinen Argumenten zusätzliche Stärke. Dass Braun, der seine Karriere außerhalb seines Heimatvereins in der Sportverwaltung Anfang der siebziger Jahre beim Fußballverband Mittelrhein begann, einmal Neuberger an der Spitze beerben würde, war zunächst nicht abzusehen. Sein Rückblick: „Als ich 1977 zum DFBSchatzmeister gewählt wurde, galt ich keineswegs als Wunschkandidat des damaligen Präsidiums. Für Hermann Neuberger und mich brachte die Zeit nach der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien ein Schlüsselerlebnis. Nach diesem wenig erfreulichen Turnier forderte ich die Bereitschaft zu interner, harter Selbstkritik. Dies wurde zunächst missverstanden." Neuberger und sein "Schildhalter" bildeten zusammen ein starkes Team. Gemeinsam bewältigten sie die Anfeindungen im Vorfeld des Europameisterschaftsturniers 1988 in Deutschland, gemeinsam feierten sie den deutschen WM-Triumph 1990 in Italien, gemeinsam managten sie die Gewinn-Maximierung im TV-Millionenpoker um die Übertragungsrechte der Bundesliga, der Länderspiele und der großen internationalen Turniere.
 
Braun sah sich nach dem Tod seines Freundes und Vorgängers ständig steigendem Druck ausgesetzt, dem Pay-TV für die Fußball-WM 2002 und 2006 unter ausschließlich kommerziellen Gesichtspunkten die Tore zu öffnen. Ein solches Ansinnen ging ans Eingemachte. „Nicht für eine Milliarde Mark", beschied er den Antragstellern, werde er zulassen, „dass den Fußballfans ihre Nationalelf verschlüsselt wird. Das wird es unter mir nicht geben." Ebenso kraftvoll setzte sich Egidius Braun für die deutsche WM-Bewerbung ein. Dies sei eine optimale Chance, sich als „neues Deutschland im Herzen Europas" darzustellen, aber nicht ohne zwei Stadien in den neuen Bundesländern.
 
Braun sorgte als Delegationsleiter des deutschen Teams in Mexiko (WM 1986) am Flügel für Stimmung und wirkte in der Öffentlichkeit außerordentlich liebenswürdig und zugänglich. Er zeigte Gefühl und seine Tränen nach der schrecklichen Handlung deutscher Krimineller am französischen Polizisten David Nivel im WM-Spielort Lens rührten Zuschauer in aller Welt an, weil sie ehrlicher Ausdruck seiner Erschütterung waren. „Das war die schwärzeste Stunde meines Lebens", gestand er und verwarf trotzdem den vorübergehenden Gedanken, als Ausdruck der Trauer die Nationalmannschaft aus dem laufenden Turnier zurückzuziehen: „Wir hätten vor dem Ungeist und dem Verbrechen kapituliert."
 
Sehr betroffen machten Braun auch die Umstände, die wenige Wochen nach dem WM-Aus der Nationalmannschaft (im Viertelfinale gegen Kroatien) im September 1998 zum Rücktritt des Bundestrainers Berti Vogts führten, mit dem ihn ein besonderes Verhältnis verband.

Wichtig war ihm der Kampf gegen Drogenmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Armut in Dritte-Welt-Ländern und osteuropäischen Staaten, für die Integration von Ausländern und die Aufwertung des Ehrenamtes. Landgerichtspräsident Willi Hennes beschrieb seinen Freund einst wie folgt: „Edi widerspricht allen Gesetzen der Gravitation. Er fällt ständig nach oben.“
 
Und die erste Stufe, die er “erklomm“, war eben Breinig. Der Verein hat seinem ehemaligen Vorsitzenden zweifelsohne Vieles zu verdanken - aber eben nicht alles. Und genau das wird im weiteren Umfeld nicht selten falsch verstanden. Hier ein Beispiel aus der Realität: Edi Braun hatte seinerzeit seinem Heimatverein Unterstützung für den Bau einer Rasensportanlage zugesagt. Die Realisierung zog sich letztlich über ein Jahrzehnt. Ob das nun trotz oder wegen der prominenten Unterstützung so lange dauerte, davon soll sich jeder Leser sein eigenes Bild machen.
 
Kritische Zeitzeugen sollten sich einmal vor Augen führen, dass der SV über Jahrzehnte die meisten Teams im Mittelrhein stellt, obwohl Edi Braun seit fast einem halben Jahrhundert kein Amt mehr in seinem Heimatverein inne hat. Sie können gerne einmal Leuten wie dem Vorsitzenden, der heute ganz andere Probleme zu bewältigen hat als früher, oder den Bereichsleitern bei ihrer alltäglichen Arbeit über die Schulter schauen.

Der hier gewürdigte hat natürlich etliche Ehrungen, auch ausserhalb des Sports, erfahren. Diese alle aufzuführen würde diesen Rahmen sprengen. Exemplarisch sei als höchste Auszeichnung auf Bundesebene das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband genannt.
   

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